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Botulismus

Der Vollständigkeit halber gehören diese Bakterien dazu, wenn es um nervenschädigende Krankheiten geht.

15.10.16: Ursachensuche - Glyhposat spielt offensichtlich eine maßgebliche Rolle

Zum gleichen Thema Botulismus lesen Sie den erst kürzlich erschienen Artikel in der Zeitschrift "Raum& Zeit" , Ausgabe 202, Juli 2016:
https://www.raum-und-zeit.com/r-z-online/artikel-archiv/2016/ausgabe-202/botulismus-durch-pflanzengift.html
Der Beitrag hat zwar als Unterthema "Glyphosat-Vergiftungs-Syndrom bei Rindern" , behandelt jedoch im letzten Drittel die Auswertung einer Studie an ca. 180 Pferden.
Einen kostenfreien Download  des Artikels als pdf-Datei (ohne Graphiken im Layout)  finden Sie unter
http://www.grovo.de/pdf/PRAXISVERSION_Glyphosat%20u%20Botulismus_Raum%20u%20Zeit_Juni%202016.pdf

Für Rückfragen oder Gespräche zu Analyse- und Behandlungsmöglichkeiten bereits vor Ausbruch akuter Symptomatiken  steht der Autor gerne zur Verfügung.

Das dieses Problem mit Glyphosat nicht nur die Tiere betrifft, sondern die Menschen ebenfalls, können Sie nachlesen in unserem Forum unter:

http://chronische-infektion.de/viewtopic.php?f=16&t=1649&sid=2cbcbe9eb480a37c36dd297e0c6a6198

25.12.14: Tierseuche Botulismus - Die Krankheit, die es nicht gibt

Von Nora Bauer - Deutschlandradio Kultur / NDR 2014

Nicht nur Kühe erkranken durch das Bakterium, sondern auch Menschen. Für die Behörden existiert der chronische Botulismus aber nicht - wie auch das Bornavirus und in der Regel auch die Borreliose!

http://www.deutschlandradiokultur.de/tierseuche-botulismus-die-krankheit-die-es-nicht-gibt.958.de.html?dram:article_id=299267

10.6.11: Chronischer Botulismus jetzt auch bei Hunden und Katzen

Nicht nur Rinder und Schweine sind nachweislich vom chronischen Botulismus betroffen, einer schleichenden „Vergiftung“ mit dem Toxin von Clostridium botulinum, wie u.a. von der Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA) im münsterländischen Horstmar- Leer veröffentlicht wurde. Jetzt scheint auch der Nachweis bei Hunden und Katzen dieser unheimlichen Erkrankung vollzogen zu sein. Und damit müssen die Forderungen
des hohen Forschungsbedarfs, die die GÖTTINGER ERKLÄRUNG der AVA fordert, noch deutlicher herausgestellt werden.
Seit ca. zwei Jahren diagnostiziert die engagierte Tierärztin für Heimtiere, Dr. Christina Heigl aus Kolbermoor (Bayern), ein neues Krankheitsgeschehen bei Hunden und Katzen in Europa. Ohne Behandlung endet diese Erkrankung fast immer tödlich.

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) - Viszeraler Botulismus – Ein neues Krankheitsbild?

Der Botulismus ist nicht nur beim Menschen, sondern auch bei landwirtschaftlichen Nutztieren, insbesondere bei Wiederkäuern und Pferden, bekannt. Wie beim erwachsenen Menschen verläuft die Erkrankung auch hier als Vergiftung. Als Ursache kommen Futtermittel in Betracht, die mit Clostridium botulinum kontaminiert sind und in denen zum Zeitpunkt der Futteraufnahme bereits eine Toxinbildung stattgefunden hat. Auch Weideflächen, die mit Geflügel"einstreu", einem aus Sägemehl, Geflügelkot und vereinzelten Kadavern (z.B. Eintagsküken) bestehenden Gemenge, gedüngt wurden, können Vergiftungen auslösen. Die klinischen Symptome der Tiere ähneln denen des Menschen. Die Tiere sterben meist schnell, häufig bereits auf der Weide, ohne dass der Landwirt die Erkrankung bemerkt.

Seit einiger Zeit wird von einem chronisch verlaufenden Krankheitsbild in Rinderbeständen berichtet, das einige Experten als spezielle Form des Botulismus ansehen und als "(chronischen) viszeralen Botulismus" bezeichnen. In diesem Zusammenhang wird auch die Frage der Ansteckungsmöglichkeit für den Menschen diskutiert.
Bei dem „viszeralen Botulismus“ soll es sich um eine Erkrankung handeln, die durch Besiedlung des Magen-Darmtraktes mit Cl. botulinum und dort durch von dem Erreger gebildetes Botulinum-Toxin verursacht wird. Es würde sich nach dieser These also um eine Mischung aus beiden oben beschriebenen Krankheitsbildern und damit um eine „Toxi-Infektion“ handeln. Weiterlesen bei http://www.bfr.bund.de/cm/208/viszeraler_botulismus_ein_neues_krankheitsbild.pdf

Symptome normaler Botulismus:

1. Allgemeine Schwächezustand

2. Schwankender Gang, Muskelzittern

3. Kau- und Schluckbeschwerden, Lähmung der Zunge, der Kaumuskeln, des Rachens und des Kehlkopfes, Speicheln

4. Lähmung der Skelettmuskulatur

5. Gestörte Darmtätigkeit

6. Atemnot

Entstehung:

entsteht durch das Toxin, das das Bakterium Clostridium botulinum absondert. Die Symptome werden durch die Toxine ausgelöst, die die betreffenden Bakterien in ihre Umgebung abgeben, vermehren tun sie sich unter Luftabschluss - daher das größere Risiko bei Silage. Beim Pferd handelt es sich um die Toxin-Typen B,C. oder D. Minimale Toxinmengen reichen für schwerste Vergiftungssymptome, hier handelt es sich um einige der stärksten bekannten Gifte.

Verlauf:

Nach der Aufnahme wird das Gift über die Blutbahn verteilt, greift die Synapsen zwischen den Nervenzellen an und blockiert die Freisetzung des Nervenbotenstoffes Azetylcholin. Diese Wirkung führt zu einer Unterbrechung der Impulsübertragung vom Nerven auf den Muskel und damit zu Lähmungen. Typisch ist die Ausbreitung der Symptome im Körper von vorne nach hinten. Im Anfang sind die Pferde schlapp und müde. Der Gang ist unregelmäßig, schwanken, Muskelzittern und Muskelschwäche stellen sich ein, gefolgt von Schluckbeschwerden (Kehlkopflähmung).

Die Pferde wollen fressen und können nicht, Futter und Wasser fallen bzw. laufen heraus. Die Zunge hängt oft schlaff heraus oder kann aus der Maulspalte gezogen werden. Die Pferde verlieren Speichel. Zunehmend stellen sich Schwäche und Lähmungserscheinungen ein, die sowohl die Skelettmuskulatur betreffen als auch die Darmfunktion - ein Grund, warum diese Pferde häufig als Kolik-Patienten behandelt werden. Im Endstadium liegen die Pferde fest. Der Tod tritt letztendlich durch Lähmung der Atemmuskulatur ein, die Pferde ersticken bei vollem Bewusstsein, sofern sie nicht vorher eingeschläfert werden.

Ursache:

Am meisten verunreinigte Silage durch tote Tiere, aber auch Heu. Heilungschancen hängen davon ab, wieviel das Pferd davon gefressen hat und wie schnell es sein Antiserum bekommt. Hat das Toxin bereits die Synapsen beschädigt, ist es vorbei, dann hilft nichts mehr. Grundsätzlich könnten in jedem Futtermittel Clostidium Botulinumbakterien drin sein, die dieses Toxin abgeben.

Behandlung:

Antibiotika soll die Vermehrung der Bakterien verhindern, ansonsten besteht die Therapie darin, das Pferd zu stabilisieren bzw. zu erleichtern, zusätzlich Medikamente, um den Darm anzuregen, desweiteren Infusionen mit dem Nervenvitamin B, und Medikamente, um die Leber zu stärken. Können die Pferde nicht mehr schlucken, müssen sie über eine Nasenschlundsonde ernährt werden.

Die Rekonvaleszenz dauert Wochen, oft sogar Monate. Die Diagnose erfolgt nur im Ausschlussverfahren.

In Göttingen an der Uni gibt es DAS Referenzzentrum hierfür:

http://webdoc.sub.gwdg.de/edoc/a/spektrum/98_2/27_29.pdf

http://www.animal-health-online.de/print/botul4.htm

Namentliche Meldepflicht von Krankheiten (§ 6 IfSG)
Meldung innerhalb von 24 Stunden nach Kenntnis erforderlich (siehe auch §§ 8-11 IfSG)

Namentliche Meldung bei Krankheitsverdacht, Erkrankung sowie Tod an: Botulismus
(http://www.fennerlabor.de/Meldepflicht_nach.namentliche_meldepfl.0.html )

Bericht aus der Kavallo.ch

Andere Vertreter dieser Bakterienfamilie, die durch Toxinbildung lebensgefährliche Erkrankungen auslösen können, sind zum Beispiel Clostridium tetanie (Tetanus) oder Bacillus anthracis (Milzbrand). Beim Pferd wird Botulismus durch das Toxin von Clostridium botulinum, Typ A, B, C, D, E, F und G verursacht (sie können einzeln oder zusammen auftreten).

Die Bakterien Clostridium botulinum kommen weltweit vor und sind vor allem in der oberen, humusreichen Bodenschicht von Wiesen und Weiden vorhanden. Verbreitet werden sie durch kontaminierten Dünger (z.B. Biokompost), Klärschlamm, Festmist oder Gülle. Besonders Hühnergülle aus Massentierhaltungen stellt ein besonderes Risiko dar, weil sich das Bakterium gerne im Darmbereich von Vögeln bzw. Hühnern aufhält. Einmal kontaminierte Weiden oder Ackerland bleiben jahrelang ein Risiko für Mensch und Pferd. Finden sie ungünstige Lebensbedingungen vor, bilden sich Sporen (inaktive Dauerformen), die sehr resistent gegen Umwelteinflüsse sind und jahrzehntelang im Boden überleben können.
Das Bakterium selbst vermehrt sich beziehungsweise bildet das bedrohliche, geruchs- und geschmackslose Botulinumtoxin (Gift) besonders gern in verwesendem tierischem Gewebe, bei Temperaturen ab 25 °Celsius sowie in sauerstoffarmer, feuchter und eiweissreicher Umgebung. Tierkadaver wie tote Mäuse, Ratten oder Vögel in Heu- und Strohballen oder Getreidespeichern sind genauso potenzielle Gefahrenquellen wie eiweißreiche, sehr feuchte und mit Erde verunreinigte Grassilagegroßballen
Der Gefährlichkeitsgrad des Botulinum-Bakteriums ist differenziert zu betrachten. Auf der einen Seite bilden die Bakterien bei ihrer Vermehrung nicht immer und in jedem Fall Gift – warum, bleibt die Forschung noch schuldig – auf der anderen Seite ist das Botulinumtoxin beispielsweise eine Milliarde Mal giftiger als Cyankali! So reichen bereits 50 bis 100 Gramm Grassilage aus einem kontaminierten Silagegroßballen aus, um ein Großpferd zu töten. In einer Region Spaniens starben 35 Maultiere aus 24 Höfen an Botulismus. Ursache war ein Katzenkadaver im Getreidelager der örtlichen Landwirtschaftsgenossenschaft.

Erscheinungsformen und Symptome

Ein vermehrtes Auftreten in den letzten Jahren lässt sich statistisch nicht absichern, da jahrelang nur wenige Labordiagnosen gestellt wurden. Nach Aussagen von Tierärzten und einzelner Tierseuchenkassen ist ein teilweise dramatisches Ansteigen der Todesfälle bei Haustieren erkennbar.

Botulismus äußert sich beim Pferd in drei Erscheinungsformen, dem muskulären und dem toxikoinfektiösen Botulismus (Wundbotulismus), die in den meisten Fällen tödlich verlaufen, und dem visceralen Botulismus mit gemäßigtem Krankheitsverlauf.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht dieser drei Formen der Botulismus-Erkrankungen hinsichtlich ihrer Entstehung und deren Folgen muskulärer Botulismustoxikoinfektiöser Botulismus (Wundbotulismus) visceraler Botulismus (visceral: zu den Eingeweiden gehörend): Entstehung Aufnahme des Botulinumtoxins über das Trinkwasser und/oder Futter Das Botulinumtoxin wird von den Bakterien im eigenen Pferdekörper gebildet und gelangt über das Blut an die Nervenenden. Dauerhafte Aufnahme von kleinen Mengen des Botulinumtoxins; Befall der Verdauungsorgane: Folgen, Abläufe, Symptome Generalisierte Lähmung der Skelett- und Kaumuskulatur, Die Botulinumtoxine verhindern die Freisetzung von Acetyl-cholin (wichtige Überträgersubstanz im Nervensystem) an den Nervenenden. Die dadurch fehlende Übertragung in der Erregungsleitung zwischen Nerv und Muskulatur führt zu Muskelschwäche bis hin zur Lähmung Bleibt in Wunden totes Gewebe zurück und herrschen luftarme Verhältnisse, kann sich das Clostridium botulinum vermehren und Toxin bilden Die gebildete Menge Botulinumtoxin ist nicht tödlich. Verdauungsstörungen (Verstopfung wechselnd mit Durchfall), eine nicht infektiöse chronische Hufrehe (Laminitis), gestaute Venen, Abmagerung und Abgeschlagenheit; die betroffenen Pferde ziehen den Bauch ein; Nachweis der Botulinumtoxine im Darm, nicht im Blut!

An Botulismus erkrankte Pferde gehen steif und schwankend, begleitet von motorischen Lähmungen. Beim Laufen schleifen die Hufzehen am Boden. Kopf und Hals werden im Stehen tief hängen gelassen. Infolge der Lähmung der Gesichtsmuskulatur fehlt die Mimik, die Pupillen sind weit geöffnet. Die Pferde machen einen schläfrigen, abwesenden Eindruck. Der Appetit ist unverändert, durch die Schwäche der Kaumuskulatur fällt beim Fressen immer wieder halb gekautes Futter aus dem Maul. Die Pferde können nicht richtig abschlucken, so dass Speichel und Futter aus der Nase laufen (nicht zu verwechseln mit der Schlundverstopfung). In manchen Fällen zeigen betroffene Pferde auch kolikähnliche Erscheinungen. Im fortgeschrittenen Stadium fällt ihnen die Atmung schwer, sie zittern und kommen schließlich zum Festliegen bei vollem Bewusstsein. Wie schnell der Tod eintritt, hängt von der Toxinmenge ab, die von den Pferden aufgenommen werden. Dabei erkranken junge Tiere scheinbar schwerer als ältere. Da das an den Übertragungsstellen der Nerven gebundene Gift nur sehr langsam abgebaut wird, wirkt die wiederholte Aufnahme kleiner Toxinmengen überproportional. Das bedeutet, dass sich kleine Mengen – die für sich noch keine Symptome auslösen – so lange ansammeln bis eine Giftmenge erreicht ist, die die Erkrankung auslöst.

Je nachdem wie viel Gift aufgenommen wird, entwickelt sich die Krankheit rascher oder langsamer. Die Dauer der Erkrankung variiert von einigen Stunden bis zu zwei Wochen und verläuft meistens tödlich. Schafft es ein Pferd jedoch die ersten 8–10 Tage zu überleben, erhöhen sich seine Überlebenschancen erheblich.

Die offizielle Sterblichkeit von an Botulismus erkrankten Pferden kann niemand genau sagen. Eine Quelle geht von 100 nachgewiesenen Fällen in Deutschland aus (bei 1 Million Pferden und 80’000 Sterbefällen pro Jahr sind das 0,125 Prozent oder von 1000 Todesfällen kommen 1,25 Pferde durch Botulismus zu Tode). Man schätzt die Dunkelziffer allerdings auf das Zehnfache (also immerhin etwa ein Prozent), da die diagnostische Abgrenzung von Erkrankungen mit verwandter Symptomatik nicht einfach ist (zum Beispiel «Grass Sickness»: Störungen beim Schlucken, reduzierte Darmperistaltik, Muskelzittern, lokales Schwitzen, unphysiologische Körperhaltung).

Erschwerend hinzu kommt, dass beim muskulären bzw. Wundbotulismus trotz klarer klinischer Symptome der direkte Toxinnachweis nur selten gelingt, da die Mengen im Pferdekörper außerordentlich gering sind. Beim visceralen Botulismus hingegen kann Toxin im Enddarm und im Kot gefunden werden.

Symptome des muskulären Botulismus

Allgemeinzustand, Verhalten: Ataxie, Festliegen bei vollem Bewusstsein
Nervensystem: Zittern und motorische Lähmungen beginnend an den Hintergliedmassen, gefolgt von vollständigen motorischen Lähmungen
Oberer Magen-Darm-Trakt:Lähmung der Zunge (heraushängende Zunge), später Lähmung der Kaumuskulatur, des Rachens und des Kehlkopfes; Kau- und Schluckbeschwerden, Rückfluss des Speisebreis aus dem Magen in die Mundhöhle
Unterer Magen-Darm-Trakt: Verstopfung
Nasen-Rachen-Raum: Atemnot, Lungenentzündung ohne Infektion, später Tod durch Atemlähmung
Bewegungsapparat: Lähmung der Skelettmuskulatur
Augen, Augenlider: Sehstörungen
Sterberate: 90 Prozent

Behandlungsmöglichkeiten

Gegen die Vermehrung der Bakterien kann Antibiotika (Penicillin G) eingesetzt werden. Weitere Therapiemöglichkeiten bestehen darin, das Pferd zu stabilisieren und zu erleichtern, zum Beispiel durch Darmtätigkeit anregende Medikamente (Parasympathomimetika, zum Beispiel Neostigmin, Aktivkohle und/oder Glaubersalz) und Sondenernährung. Außerdem können Infusionen mit dem Nervenvitamin B durchgeführt und Leber stärkende Mittel verabreicht werden. Können die Pferde nicht mehr schlucken, müssten sie über eine Nasenschlundsonde (Magensonde) ernährt werden, was sich in der Praxis als sehr schwierig erweist. Zur Vermeidung von Festliegen (Dekubitus) kann das Pferd in der Klinik in eine Aufhängevorrichtung verbracht werden.

Impfung/Immunisierung:

Hinsichtlich der vorbeugenden Schutzimpfung bei gesunden Pferden (aktive Immunisierung) als auch der Behandlung mit Antiserum bei bereits leicht erkrankten Pferden (passive Immunisierung) bestehen sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland irritierende und zum Teil widersprüchliche Angaben. Auch in Bezug der Auslöser für Botulismus (Bakterien: Typ A, B, C, D, E, F und G) gibt es unterschiedliche Angaben. Eine Quelle nennt die häufigsten Toxine beim Pferd das A-, B- und C-Toxin, andere haben in verseuchten Silageballen und Bodenuntersuchungen vermehrt C2- und D-Toxine festgestellt (erhältlicher Impfstoff Schweiz: ebenfalls Clostridium botulinum, Typ C und D).

Im sehr frühen Stadium kann man mittels Injektion von spezifischen Antikörpern die Toxinwirkung abpuffern (Antidot-Therapie: Polyvalentes Antitoxin (Impfstoff mit antigenen Bestandteilen verschiedener Stämme), 5000 Einheiten intramuskulär, aufgeteilt auf verschiedene Orte). Das Antitoxin kann jedoch nur frei zirkulierendes, noch nicht an die Neurone gebundenes Toxin neutralisieren. Sobald nämlich eine Bindung des Toxins an die Nerven erfolgt ist, dauert es lange (ca. 47 Tage; Veterinärmedizinische Universität Wien), bis sie völlig abgebaut sind. Das für einen Therapieversuch nötige Antiserum soll $ 2500 pro Dosis kosten und sei nur in kleinen Mengen verfügbar (aus den USA).

Therapie nur bedingt hilfreich:

Dennoch: Das an den Nervenenden gebundene Gift ist so fest verankert, dass es durch Botulismus-Antiseren kaum mehr abgelöst werden kann. Die Gabe des Antiserums wäre also nach Ausbruch der Erkrankung relativ sinnlos. Gegen einige der bekannten Typen von Botulismuserregern sind auf dem Weltmarkt Impfstoffe erhältlich. Da leider keine Gruppenresistenz besteht, muss für jede spezielle Erregerart (A–G) der passende Impfstoff eingesetzt werden. Eine Therapie erkrankter Pferde kann nur dann zum Erfolg führen, wenn die aufgenommene Toxinmenge klein war. Bei Aufnahme großer Toxinmengen ist jede Therapie hoffnungslos.

Wie kann Botulismus verhindert werden?

• Keine Bekämpfung von Ratten und Mäusen mit Giften im Stallbereich; die Tiere könnten sich besonders im Heulager oder anderen Futterlagerstätten verkriechen, verenden und somit Botulinum-Bakterien bilden.
• Bei Verdacht Probenentnahmen im Weide- und Paddockboden, Einstreu und Tränkewasser vornehmen (Erregernachweis).
• Infektionskette unterbrechen: Boden-Futter-Tier-Mist/Gülle-Boden; also zum Beispiel keine Silagegewinnung auf mit Mist oder Gülle gedüngten Wiesen.
• Je weniger Erde in das Futter gelangt, um so geringer ist die Zahl der Bodenkeime.
• Im Frühjahr Abschleppen und Walzen der Flächen, die der Silagegewinnung dienen, da sie die Menge an Erde im Wickelgut verringern; Gleiches gilt für Heuwerbung.
• Einstellung des Mähwerkes auf eine Schnitthöhe von 8 cm über Boden.
• Das gemähte Gras ausreichend mit ordentlichen Maschinen wendeln.
• Möglichst rasche Trocknung des Silageguts, was den Abbau des notwendigen Zuckers beschleunigt (Clostridium botulinum mag saure Umgebung überhaupt nicht).
• Einsatz von Wildrettern beim Mähen vermindert die Gefahr, Tierkadaver mit einzupressen.
• Ein umsichtiger Transport ist besonders wichtig; kein Aufspiessen mit dem Frontlader.
• Lagerflächen und Silos sind vor Vögeln und Nagern zu schützen, zum Beispiel durch Netze.
• Grassilagegroßballen sind ca. 40-mal so groß wie normale, kleine Heuballen. Sie werden in der Regel gleichzeitig an alle Pferde eines Bestandes verfüttert. Hieraus erklären sich Häufungen von Todesfällen in einem Bestand mit nur einem Botulinumtoxin verseuchten Silageballen, während ein verseuchter Heuballen lediglich ein bis zwei Pferde bedrohen kann.
• Nur einwandfreie Grassilage füttern.
• Für kleine Pferdebestände eignen sich 50-Kilogramm-Silageballen; ein geöffneter Ballen muss innerhalb weniger Tage verfüttert werden.
• Silage aus so genannten Fahrsilos sind für Pferde nicht geeignet, da es meist Nasssilagen sind und diese eine offene, in der Regel nicht luftdicht abgeschlossene Schnittfläche haben.

Da die Anhäufung der Botulismusfälle in der letzten Zeit auffällig ist und alle Erkrankungen mit Fütterung von Silage verbunden waren, muss letztlich empfohlen werden, die Futterqualität von Grassilage außerordentlich kritisch zu beachten. Bei einer qualitativ guten Silage ist das Risiko für Botulismus vermutlich nicht höher als bei Heufütterung.
Die landwirtschaftlichen Lehr- und Versuchsanstalten in Deutschland und der Schweiz bieten interessante Lehrveranstaltungen zur Pferdefütterung und Futtermittelbeurteilung an. Es ist sehr wichtig, die Qualität von Futtermitteln beurteilen zu können, um so sein Pferd vor vermeidbaren Gesundheitsschäden durch verdorbenes Futter zu schützen.

Quelle:www.Kavallo.ch
mit freundlicher Genehmigung
Birgit Herrmann
(Chefredaktorin Kavallo)

 

Thesenpapier zum Themenkomplex Botulismus

- Clostridium botulinum Botulinumtoxikose 2011 - völlig überarbeitete Version Juli 2011
verfasst von apl. Prof. Dr. med. vet., Dr. sc. agr. habil. Helge Böhnel, miprolab GmbH Göttingen

Seit der 2. Auflage des damaligen „Positionspapiers“ im Jahr 2001 hat sich das Wissen um den Fragenkomplex „Clostridium (C.) botulinum – Botulismus – Botulinumtoxikose“ wesentlich erweitert. Neue molekularbiologische und genetische Methoden haben dazu beigetragen manche bisher als unumstößlich gehaltene Wahrheiten zu hinterfragen. Die vorliegende Fassung gibt den Wissenstand von Ende 2010 wieder.

Die aktuelle Diskussion beruht auf dem Auftreten klinischer Erkrankungen in geschätzt mehr als 2000 deutschen landwirtschaftlichen Rinderbetrieben. Die Ursache des seuchenhaften Geschehens ist unbekannt. Es gibt Hinweise, dass die Krankheit auch bei Landwirten und Tierärzten auftritt, die Kontakt mit erkrankten Tieren hatten.
Es ist erschreckend: Botulismus tritt in Deutschland seit einigen Jahren gehäuft in landwirtschaftlichen Betrieben auf. Auch in Österreich, Holland, Belgien und der Schweiz sind Rinderbetriebe betroffen.
Die Krankheit „Botulismus“ wird in der EU als „Zoonose“ angesehen, d.h. sie kann von Tier auf Mensch übertragen werden. Gemäß der EU-Richtlinie haben die einzelnen Länder die Möglichkeit entsprechend der eigenen Gegebenheiten zu reagieren.
Es gilt:

Laut einer EU-Verordnung ist C. botulinum ein Zoonose-Erreger.
Botulismus ist gemäß dem Tierseuchengesetz als Tierseuche zu bezeichnen.
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